Live Konzert Harfe Solo 2026

Liebe Fangemeinde,

Seit der Bekanntgabe, dass ich ab heuer, 2026 eine Bühnenpause einlege, erreichen mich so viele Schreiben, wie schade es sei, mich nicht mehr live hören zu können. Natürlich hat mich das berührt und gefreut, und ich bedanke mich hier mal für die schönen Zeilen, die mir zugesandt wurden. Auch wenn ich bei meiner Wahl bleibe und weiterhin in der nächsten Zeit die sesshafte Aufnahmenarbeit bei Tag der fahrenden Bühnenarbeit bei Nacht vorziehe, und heuer es genießen werde, öfters im Pubblikum zu sitzen und meinen Bandkollegen zuzuhören – so hab ich mich entschieden, eine Ausnahme zu machen:

Und werde zwei Solokonzerte spielen. Es werden die Einzigen in diesem Jahr sein.

Stattfinden werden die Harfenabende auf der schönen Bühne am Waldrand bei der Keltenschmiede am Biohotel Schiessentobel. Das ist im Salzburger Seenland am Rand des Biodorfes Seeham. Ich würd natürlich dorthin fahren, allein des Ortes wegen. Der Schiessentobel ist ein alter Kraftplatz, wo es allerhand interessante alte Stätten gibt, die sehr besonders sind.

Nun, im Schiessentobel hab ich vor zehn Jahren, 2016 die CD Endlos aufgenommen. Im Februar 2026 war ich mit der Harfe für eine weitere Solo Aufnahme wieder dort. Diesmal hat Wolfgang Spannberger die Aufnahme geleitet. Von diesen neuen Improvisationen, werden einige davon an Ostern in die Musikboutique hineingestellt.

Natürlich werde ich die neuen CD´s an diesem Konzert mit dabei haben. Doch möchte ich, dass dieser Abend einfach ein Harfenabend wird, so wie ich Harfenmeditationen, Harfenkonzerte zu spielen pflegte. Das zu spielen, das gerade daher kommt, intuitives Spiel, das jedesmal ein wenig anders klingt. Und einige wenige alte Stücke mit kleinen Geschichten.

Für die Fans, die mich auf der Bühne vermissen.

Aus dem Archiv gekramt: Mai 2016 im Schiessentobel

Die Ticket´s im Vorverkauf sind auf die Sitzplätze der Regenausweichstätte im Schiessentobel limitiert.

Wer keine fixen Ticket´s im Vorverkauf bekommen konnte, kann sich in die „Schönwetterliste“ eintragen lassen, und bekommt so noch einen Sitzplatz, falls das Wetter trocken bleibt. Achtung, auch hier ist die Anzahl begrenzt.

Fixe Tickets für Erwachsene 32€. Gibt es HIER ab 5.4.2026

Fixe Tickets für Kinder und Jugendliche (in Begleitung von Erwachsenen) bis 18 Jahren 0€. Gibt es HIER ab 5.4.2026

Schönwetter Ticket´s bitte telefonisch reservieren bei Familie Schiessentobel:  +43 6217 53 86

Freies Spiel auf der Harfe – die Absicht

Freies Spiel ist für mich, wenn ich spiele, ohne Vorlagen und Noten. Wenn ich die Hände an die Harfe setze und „frei“ zu spielen beginne.

So ist es schnell und einfach erklärt. Bei genauerem Hinschauen ist es schon ein wenig anders.

Angenommen, ich spiele ein Solokonzert. Zum Beispiel eine besinnliche Andacht im Wald. Dann mache ich mir natürlich vorher Gedanken, was ich denn vermitteln möchte. Welche Stimmung ich gerne möchte, dass entsteht.

Diese Grundstimmung entscheidet dann zumeist über die Art, über den Rhythmus für das erste Stück. Nicht immer beginne ich direkt mit freiem Spiel. Ab und zu gibt es zuerst ein fertiges Stück. Im Laufe des Spieles verändert sich dieses Stück. Das freie Spiel beginnt. Es kommt etwas Anderes daher, als ich wollte, die Finger spielten etwas Anderes, als das, wie es eigentlich weiter gehen würde. Dann schau ich zu, und hör ich hin, wie es klingt. Manchmal brauche ich mehr Kraft in der Aussage, manchmal noch viel mehr Stille, und manchmal braucht es ein längeres „Ankommen Lassen“. Es kann sein, dass noch nicht alle da sind, und schnell noch die Plätze gesucht werden. Jeder Raum klingt anders. Jedes Publikum klingt anders. Ich bin jeden Tag anders. Das Instrument ist auch nicht immer gleich. Kalt/Warm, das macht einen Unterschied im Klang der Saiten.

Dies alles bestimmt, wie ich die Hände an die Harfe setze, und mit welcher Hand ich zum spielen beginne. Mit der linken nur Begleitung, mit allen beiden gleichzeitig, ruhig und langsam, oder schnell. Manchmal geschieht es, dass ich eine genaue Vorstellung habe, wie es klingen sollte, die Hände jedoch mit einem ganz anderen Rhythmus beginnen. Also passe ich mich an, und höre meinen Händen zu. Wenn es reinpasst, Rhythmus zu wechseln, und das zu spielen, was ich mir so „erdachte“, dann wechsele ich dorthin. Wenn es mir besser gefällt, was sich die Hände ausgewählt haben, dann lasse ich sie weiterspielen.

Also, so „frei“ ist es doch nicht, das „freie Spiel“. Es sind alles „sich bedingende Umstände“, würde ein Gnani sagen. Absolut frei ist meine Absicht, etwas Erhebendes zu spielen, etwas Beruhigendes, etwas einfach nur Schönes, etwas Lustiges, etwas Bewegendes, etwas Aufmunterndes, etwas Lösendes, etwas Befreiendes, etwas Einfaches, etwas Berührendes, etwas Heiteres, oder etwas Intuitives, das ich „spielen lasse“. Was auch immer ich spielen will – die Absicht, die kann ich bestimmen.

Ob es dann auch so wird, das liegt nicht allein in meinen Händen.

 

Hier ein Stück, frei gespielt vom Anfang bis zum Schluss. Tramonto aus der CD Endlos. Aus dem Jahr 2016. Die Absicht in diesem Spiel – daran erinnere mich noch genau: die Aufnahme war im Biohotel Schiessentobel, die Sonne ging gerade unter. Dieses Licht – diese Stimmung der untergehenden Sonne war so ergreifend. Ich wollte diese Stimmung „spielen“. Dieses Zuschauen wie sie untergeht, die kommende Nacht, und die Gewissheit, dass sie wieder aufgehen wird. Dieser Zyklus der Natur. Dieses ewige Kommen und Gehen.

Mein persönlicher Fingersatz

Wer selbst mal in der Musikschule war, weiß, dass jeder Finger seine Zahl hat, die dann über die Noten geschrieben wird, wenn eine komplizierte Passage kommt, oder wenn man gerade ein neues Musikstück lernt. Damit man schnell alle Finger an den richtigen Ort bekommt.

Beim Harfenspiel ist das sehr einfach. Grosser Daumen 1, Zeigefinger 2, Mittelfinger 3, Ringfinger 4. Der kleine Finger spielt in der klassischen Musik nicht mit. Bei mir auch nicht.

Es gibt verschiedene Spielstile auf der Harfe, wie beispielsweise die klassische französische Haltung. Daumen in der Saite fest gegen die Säule drücken, Zeigefinger tief halten, gegen den Daumen drücken und dann Zeigefinder schön rund in den Handballen hinein abspielen, wie eine Baggerschaufel. Während der Daumen weiter gegen die Säule drückt. So gibt es einen schönen, runden warmen Ton.

Diese klassische Grundtechnik lernte ich mit 17 bei meiner ersten „klassischen“ Harfenlehrerin, Prof. Nicoletta Alberti, in der öffentlichen Musikschule. (über alle meine musikalischen Lehrmeister werde ich noch einen Artikel schreiben, damit alle gewürdigt werden).

Meine Lieblingshausaufgabe, die ich immer noch in den Ohren habe, die war jedoch: selbst herauszufinden, wie ich welche Finger wie setze und abspiele, und gut hinhören, wie der Ton dann klingt. Später übersetzte ich das in: je nachdem, welchen Klang ich gerade brauche. Und in diesem „Forschungsgebiet“ war ich eine Weile sehr eifrig.

Ich merkte bald, dass es einen Riesenunterschied machte, ob ich die Finger rund abspielte, einen Millimeter weniger rund, etwas mehr gerade, oder kerzengerade, ein wenig schief, oder ganz schief, mehr drücken, oder nur ganz wenig. Jeder Minimillimeter des Fingers auf der Saite weiter oben oder weiter unter veränderte den Klang dann nochmal. Oft suchte ich gar nicht bewusst danach, oft passierte es einfach. Und manchmal hatte ich das Glück, dass ich mich erinnerte, wie die Finger das gemacht haben. So entwickelte sich mit der Zeit mein eigener Spielstil.

Als ich ab und zu auf Kursen gefragt wurde, wie ich bestimmte Lieder spiele, da brauchte ich Namen für die Finger, die das ausdrückten, wofür ich die Finger wie verwendete.

Wenn ich auf der Harfe etwas erzählen will, dann kommt bei mir der Liedfinger dran. Der Zeigefinger. Wenn bei mir beim Spielen der Erzähler drankommt, spielt ausschliesslich der Zeigefinger. Die gesamte Melodie. Musikschultechnisch gesehen eine Katastrophe. So dürfte man nie bei klassischen Wettbewerben spielen. Klangtechnisch jedoch: eine sehr markante Erzählstimme. Wenn der Zeigefinger fertig „gesprochen“ hat, spielen andere Fingerkombinationen weiter. Terzen, Quarten, Quinten, grössere Akkorde, was gerade kommt. Oder: Solostimme höher, tiefer, wenn einer der anderen Finger was zum Weitererzählen weiss. Das gibt es natürlich auch.

Manchmal macht das der Orchesterfinger. Der Volumengeber.

Warum ich ihn so nenne? Seit einem Missgeschick, das mir am Tag vor einer sehr wichtigen Hochzeit passierte, wo ich in der Kirche die Messe spielte.

Ich klemmte meinen rechten Daumen in der Tür am Auto ein. Erst dachte ich, das wird schon gehen. Pflaster drauf und gut. Am Abend vor der Hochzeit – keine Chance, mit diesem Daumen die Saiten auch nur zu berühren. Absagen war keine Option, es war die Hochzeit meines Patenkindes. Also sagte ich mir: spielen wir einfach ohne Daumen! Gesagt, getan. Ich konnte gut spielen. Doch an dem Tag lernte ich, was „fehlt“, wenn der Daumen nicht spielt:

DAS VOLUMEN.

Nun denn, seither hat mein Daumen einen Namen: es ist mein Orchesterfinger. Ohne Daumen – kein Orchester! Kein Volumen. Auch kein Raum.

Es klang, als würde nur ein Viertel der Harfe spielen. Obwohl ich mit allen anderen Fingern tadellos und sehr kräftig spielen konnte. Seit jenem Tag wusste ich für mich: Der Daumen ist der unverzichtbare natürliche Verstärker, ganz besonders, wenn man ohne Verstärker spielt.

Erzählfinger und Orchesterfinger sichtbar im Video: „like an eagle flies“ hier im Herbert Pixner Projekt. Auszug aus Livestream-Konzert 2020.

Foto: Heidi Rosenstatter. Seeham, Biohotel Schiessentobel im April 2015.

Improvisationstraining

Mir macht das großen Spaß: eine Melodie in verschiedenen Varianten durchzuspielen, um meinen Improvisationstopf aufzufüllen, aus dem ich später schöpfen kann. Um meinen Spielraum zu erweitern, oder einfach so, zur Freude an der Abwechslung und am Experimentieren.

Auch mag ich gerne das fächerübergreifende Lernen. Die schönsten Übungen für´s Harfenspiel finde ich in anderen Disziplinen. Wie beispielsweise in der Poesie.

Metrik ist eines meiner Lieblingsfächer im Deutschen. Die verschiedenen Gedichte auf ihre Rhythmik hin zu untersuchen, und dann selber Sätze unterschiedlich anzuordnen.

Hier ein kleines Beispiel:

Metrik beim Spielen. Ich gehe in den Wald.

So einen Satz kann ich nun genauso „betont“ auf der Harfe spielen. Ich wähle mir eine kleine Melodie aus und verändere sie, je nach Metrik. Wenn ich noch genug Zeit habe, dann probiere ich aus, ob sie mir tief besser gefällt als hoch. Ich könnte daraus auch noch eine Meisterschaft entwickeln, die „Texte und deren Betonungen“ in unterschiedlichen Lautstärken zu spielen, und hinzuhören, ob ich die Betonungen auch noch im stillsten pianissimo noch hinbekommen hab.

Der Clou: wenn mir wirklich nichts einfallen will, wenn ich in einer Spielgruppe an der Reihe bin, einen Teil  frei zu improvisieren, dann kann ich mir diese kleine Satztechnik aus dem Topf holen. Denn wenn mir schon keine Melodie „daherkommt“, vielleicht kommt ein Satz, den ich spielen kann, wie:

„Mir fällt grad gar nichts ein. Wie? Nichts? Nein. Nichts. Nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts“. Und schon hab ich eine „Melodie“.

Und wenn ich noch ein wenig Zeit hab, dann male ich mir ein paar neue Melodieformen auf ein Blatt Papier, wie im Bild hier. Auch so können „Noten“ aussehen ;-).

 

Improvisieren Metrik Zeichnungen

Viel Freude beim Malen, Dichten und Experimentieren wünscht

Heidi