Über das Hören

Dass die neue Solo CD am 26. Juni veröffentlicht werden kann (digitale Audiodateien gibt es vorab bereits hier. Und Reinhören ins Album ist hier möglich), dass diese Zeilen über die neue CD überhaupt geschrieben werden können, ist zu einem goßen Teil dem Aufnahmeleiter und Tonmeister dieser Produktion, Wolfgang Spannberger aus Salzburg zu verdanken.

Im Februar 2026 war ich im Schiessentobel zu Besuch. Als ich am alten Schiessstand vorbeispazierte, an der alten Gaststube, erinnerte ich mich an die Aufnahme 2016. „Genau zehn Jahre her“, dachte ich mir. „Es wäre doch sicher schön, mit einer kleinen Jubiläumsaufnahme hier im Schiessentobel, wie anno dazumal, den für heuer geplanten CD Reigen sämtlicher Aufnahmen zwischen 2018 bis 2025 zu eröffnen.“

Die Idee war wohl unter einem glücklichen Stern geboren, denn der Raum war genau an jenen Tagen frei, an denen Wolfgang Spannberger, unser TourTonmeister, den ich für dieses Vorhaben gerne gewinnen wollte, eine letzte Lücke in seinem Kalender für dieses spontane Projekt vorfand. Ich holte die Harfe und das Abenteuer konnte beginnen.

Vielleicht hatte ich einfach noch den grandiosen Klangkörper im Ohr, das wunderbare Erlebnis der Konzerte mit Orchester und Chor vom Jänner im Salzburger Festspielhaus – sodass meine Ohren am ersten Aufnahmetag, beim Spielen, so kritisch waren, bei jedem Ton, den ich spielte, der nicht „perfekt“ war. Vielleicht brauchte es auch nur ein wenig Zeit, sich wieder an den einfachen Harfenklang zu gewöhnen, der ja niemals die Fülle eines Sinfonierorchesters wiedergeben konnte.

Ich hörte am ersten Tag so viele „Fehler“. Hier ein Stolperer, dort Rhythmusschwankungen, oh nein – Bass abgefehlt. Saiten mitgenommen, die nicht mitgehen dürften, der Ton dort – nicht sauber gespielt. Uah, diese Sequenz viel zu aggressiv gespielt. Nein, da bin ich zu sehr über die Saiten gestreift. Hier, das klingt nicht rund, dort der Lauf viel zu eckig. So hatte ich am Ende des Tages die allermeisten „takes“ (Aufnahmen) mit orange und rot markiert.

Rot = das ist nix. Orange = mit großer Schneidekunst vielleicht eventuell. Grün = könnte passen.

Wolfgang Spannberger hatte komplett anders markiert. Bei ihm war auf der Liste alles das, was bei mir rot war, grün!

Das konnte ich im ersten Moment nicht nachvollziehen.

Er sagte: „Wow, Heidi, hör mal hin, was für ein Zauber! Da, so ein schöner Übergang. Diese Passage hier, wunderbar.“ Ich hörte hin. Ich hörte nur meine Fehler. Er lachte und sagte: „Das wird ein schönes Album.“

Der nächste Tag, ein neuer Tag, ich wollte mich besser konzentrieren. Sauberer spielen, genauer, weniger stolpern. Gleichzeitig hörte ich schon ein wenig anders hin. Mehr auf das, worauf ich höre, wenn ich Anderen zuhöre, wenn sie spielen. Da höre ich hauptsächlich auf den Ausdruck, die Stimmung, das „Gesamte“, ob es mit Herz gespielt ist, berührt, voller Leben ist. Wie es auf mich wirkt.

Mir wurde bewusst, dass ich auch alle Aufnahmen von 2018 bis 2025 auf meine alte Weise angehört hatte. Sehr viel rot markierte, sehr wenig grün. Puuh, da hab ich nun zu tun – alle alten Aufnahmen neu anhören. Mit der Art zu Hören, wie ich Anderen zuhöre. Neu auswählen, neu markieren, neu bewerten. Ein neues Abenteuer!

Und so wünsche ich für heute viel Freude beim Hören im Allgemeinen, beim Experimentieren, worauf gehört werden kann.

Und viel Freude beim Hören dieser neuen zaubervollen & unperfekten, ki-freien Improvisationen.

Und sage Danke an Tonmeister Wolfgang Spannberger, der diese Aufnahme nicht nur fabelhaft mikrophoniert, aufgenommen und bearbeitet hat, sondern auch dazu beigetragen hat, dass aus rot grün wurde, und diese Aufnahme nicht im Archiv unter der Rubrik „nicht veröffentlicht“ gelandet ist, sondern ins Presswerk geht und hier nun vorab Probe gehört werden kann.

Mit einem Herzlichen Gruß,

Heidi Pixner.

PS: Geschichten, die mir gleich daherkommen, wenn ich das Geschriebene durchlese, oder wenn ich im Konzert zu diesem Thema etwas Passendes dazu lesen würde:

„Der Kreis der Neunundneunzig“ aus dem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte” von Jorge Bucay (Fischer Verlag, 2011). Oder die erste Geschichte vom Mönch in der Zelle mit der Mauer von Ajhan Brahm im Buch „Die Kuh, die weinte“ (Lotos Verlag, 2006). Die Geschichte der gebenden Prinzessin aus dem Buch von Gregg Krech „Die Kraft der Dankbarkeit“ (Theseus Verlag).