Als ich kürzlich den Text für das Harfenseminar geschrieben habe, das ab heuer nun auch regelmäßig einmal im Jahr stattfinden wird, da hab ich mich an sehr viele Menschen erinnert, an Sätze und Sprüche, die mir wichtig waren und sind. Und während ich diese Zeilen schreibe, kommt mir daher – dass ich auch mal einen „Lernbaum“ zeichnen könnte, von wem ich was alles gelernt habe – so wie ich es in einem Kurs bei Dimitry Lapshinov mal gesehen hatte. Eine sehr empfehlenswerte praktische Übung von ihm ab Minute 4:30 gibt es hier, in diesem kleinen Kursausschnitt mit deutscher Übersetzung. Das Üben dreier Fundamente: das Entspannen, die Gnade/Freude im Herzen und Körperhaltung.
Natürlich hab ich durch persönliche Begegnungen am meisten gelernt. Kleinigkeiten manchmal auch aus einem kleinen Buch, oder einem kurzen Song, oder Stücken, die ich mir hundertmal angehört hatte. Oft waren es Video’s: als ich aufhörte, mich zu weigern mir ein Smartphone zuzulegen, und der Manuel (Randi) mir am Frühstückstisch das youtube Programm zeigte (er sah sich gerade seine Lieblings-E-Gitarren Video’s an), da gab es viel Neues zu entdeckten, anzuschauen. Besser gesagt, anzuhören – auf den Strecken im Auto zwischen den Städten, in denen wir spielten. Und wenn ich mir nichts mehr anhören wollte, dann gab es den „dahinfahrenden“ Klang des Motor´s, den Klang des Zustandes der Strasse. Es gibt wohl nichts ohne Klang, draussen wie innen drinnen.
Einmal bekam ich einen link eines Bassisten, der meinte, ich solle mir mal Victor Wooten anhören. Was der macht, das würde mir sicher gefallen. Ich war immer schon Fan von tiefen Tönen bei Instrumenten und schaute mir diese Video´s an. Da sprach mir wer aus der Seele, wenn es um das Musik lernen geht.
Grob nacherzählt: Wie lernt ein Kind das Sprechen? Es tut es einfach. Auch wenn es noch nicht sprechen kann, es drückt sich aus. Gibt Laute von sich. Sagt irgendjemand zu diesem Kind, es sei „falsch“, was es da gerade von sich gibt? Oder schickt man es zwei drei Stunden in einen Raum das Sprechen „zu üben“?
Musizieren ist wie Sprechen. Musizieren lernen ist wie sprechen lernen. Wie lernen Kinder das Sprechen?
Und genau das erlebe ich, seit ich klein bin, zum Beispiel bei meinem lieben Bruder Herbert. Er kann in die Hand nehmen, was er will, er „spielt“ gleich damit. Es ist sofort „Musik“, was da herauskommt. Und warum klingt es sofort nach Musik? Weil er damit spricht, sich ausdrückt. Und dabei gleichzeitig auch noch „groovt“, rhythmisch spielt. Ohne dem Denken „so was darf man erst dann spielen, wenn man ein bestimmtes Leistungsdiplom in der Tasche hat, oder so und so viele Stunden geübt hat“. Den Rhythmus fühlen und spüren und viel viel spielen.
Ein bisschen Üben, und viel Spielen.
Und wer sich auf dem Weg befindet, ein Instrument zu lernen, und manchmal beim Spielen „verzweifelt“, weil es nicht so klingt, wie man es gerne hätte – da hab ich ein anderes interessantes Video (in englischer Sprache) entdeckt, oder ist es mir zugefallen, „the gap & the gain“ von Dan Sullivan, dem Gründer von strategic coach.
Darin wird erklärt, wie ich Fortschritt messe und was das mit mir macht. Messe ich den Fortschritt zwischen dem Ziel, das ich erreicht hab und dem Ideal, das ich „verfolge“, anstrebe. Oder messe ich diese Strecke: vom Punkt aus, an dem ich begonnen hab hin zu dem Punkt, wo ich heute bin (unabhängig davon wie weit ich von meinem Ideal entfernt bin).
Ich hab das natürlich sofort ausprobiert, hab mit beiden Varianten gemessen – und verstanden – wie ich, seit ich ein Instrument spiele – mich innerlich selbst „gemessen“ hatte. Natürlich hatte ich das Ideal im Ohr. Das habe ich heute auch noch – nur – heute messe ich anders.
Wenn Kinder sprechen lernen, da schreiben viele auch das erste Wort in ein Album. Und freuen sich mit dem Kind. Da wird auch nicht auf das Ideal gemessen, sondern von Anfang – wo es nur Silben und Laute gab hin zum ersten Wort.
Und so wünschte ich es mir auch für alle, die ein Instrument lernen, die Musik machen wollen. Sich über die ersten Töne freuen zu können. Auch über alle weiteren, auch wenn sie noch nicht dem Ideal entsprechen. Und noch mehr, wenn diese Töne dann berühren und Freude bereiten. Mit der Musik sprechen. Etwas sagen durch die Musik, wo es vielleicht keine Worte dafür gibt. Oder einfach so, aus Freude am Spielen, ohne irgendwelche Absicht. Und wenn es nur ein Klopfen auf die Kaffeetasse ist, ein fröhliches Pfeifen oder ein munteres vor sich hin Summen.
Wünsche allen viel Freude am Spielen und Lernen, mit und ohne Instrumente,
Heidi Pixner
